KARL MAYER feiert dieses Jahr ein Jubiläum: Am 30. November 1990 wurde die erste Kettenwirkmaschine mit elektronischem Mustergetriebe, die KS 4 EL, ausgeliefert – ein weiterer Meilenstein für die Musterung. Bereits 1980 hatte das Summen(SU)-Getriebe mit der MRS42SU den Umstieg von mechanischen Ketten auf digitale Daten eingeleitet.
SU-Getriebe: Kassette statt Kette
Das SU-Getriebe – erstmals eingeführt in Multibar-Raschelmaschinen – steuerte den Versatz der Legebarren magneto-mechanisch über Stellglieder und per Mikrocomputer. Die Vorteile waren praktisch unbegrenzte Rapportlängen, eine höhere Produktionsgeschwindigkeit, weniger Handling und kürzere Rüstzeiten. Muster ließen sich ohne Kettenwechsel in Minuten statt während mehrerer Stunden umstellen. Durch ein 1985 entwickeltes SU-Getriebe mit integrierter Überlegungseinrichtung konnten auch die Musterketten und -scheiben für die Legebarrensteuerung an Trikotmaschinen ersetzt werden – der Weg für weitere Elektroniklösungen war frei.
EL-Legebarrensteuerung: Motor statt Mechanik
Um die mechanischen Grenzen des SU-Getriebes für Trikotmaschinen zu überwinden, entwickelte KARL MAYER ein System mit Elektromotoren und leistete damit Pionierarbeit.
„Wir wollten Elektromotoren für die Bewegung der Barren einsetzen. Das war komplettes Neuland“, erinnert sich Georg Kraus, Senior Expert Technology Development und EL-Mustergetriebe-Aktivist der ersten Stunde. Ein Testbock mit Asynchronmotoren und Kugelumlaufspindeln zeigte: Das neue Prinzip funktioniert schnell, präzise und zuverlässig.
Aus dem Prototyp entstand folgend die elektronische Legebarrensteuerung, und eine neue Ära begann. Die erste KS 4 EL war um bis zu 37 % schneller als die Variante mit SU-Getriebe und bot eine vollkommen freie Musterung per Datentransfer ohne Musterscheiben und ohne mechanische Limitierungen. Zudem benötigte sie weniger Wartung und Platz.
Expansion auf weitere Maschinentypen
Anschließend wurden die Doppelraschelmaschinen von NIPPON MAYER und die Maschinen für die Herstellung Technischer Textilien auf das EL-System umgestellt. Später folgten die Spitzenraschelmaschinen. Durch ein Upgrade für den Einsatz in hochbarrigen Modellen konnte 2002 die erste Multibar-Raschelmaschine mit elektronischer Steuerung aller Legebarren – eine TL 66 – gelauncht werden. Bei den Modellen dieser Baureihe gab es zudem ein Zusatzplus: Durch die kompakte Bauform der Mechanik waren mehr Legebarren und ein höherer maximaler Versatzweg für die Musterlegebarren und damit erweiterte Musterungspotenziale gegenüber den Varianten mit SU-Ausstattung möglich.
Ausweitung auf andere Maschinenkomponenten
Parallel dazu wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis des EL-Systems verbessert, vor allem aber seine Möglichkeiten auch für andere Teilprozesse des Wirkens genutzt, beispielsweise für die Garnzufuhr.
Auf Basis der EL-Technik für die Fadenwippe entstand das Advanced Feeding Control (AFC), das auch bei komplexen Mustern mit sequenziell stark schwankenden Garnverbräuchen eine maximale Maschinenperformance gewährleistet.
Auf Basis der EL-Technik für die Fadenwippe entstand das Advanced Feeding Control (AFC), das auch bei komplexen Mustern mit sequenziell stark schwankenden Garnverbräuchen eine maximale Maschinenperformance gewährleistet.
Zur ITMA 2023 wurde die schnellste dreibarrige Trikotmaschine mit elektronischem Legebarrenantrieb, ausgestattet mit AFC-System, auf dem Markt eingeführt. Der Newcomer fertigte auf der Messe mit einer Drehzahl von 2.900 min-1 einen Plisseeartikel vor dem staunenden Publikum.
Auch im Bereich der Technischen Textilien gab es einen Quantensprung: Ebenfalls zur ITMA 2023 wurde die Schusswirkmaschine WEFTTRONIC® II G mit dem neuen Legesystem VARIO WEFT eingeführt. Das Schusslegesystem kommt bei der Schussfadenmusterung ohne mechanische Eingriffe beim Fadeneinzug aus, kennt keine Rapportbegrenzung und reduziert den Randabfall. Die Grundlage auch hierfür ist das EL-System.
Das Schusslegesystem kommt bei der Schussfadenmusterung ohne mechanische Eingriffe beim Fadeneinzug aus, kennt keine Rapportbegrenzung und reduziert den Randabfall. Die Grundlage auch hierfür ist das EL-System.
Für Technologiepionier Georg Kraus ist das Potenzial des EL-Antriebs noch lange nicht ausgeschöpft. Mittelfristig erwartet er die vollständige Ablösung des N-Mustergetriebes. Zudem hat er noch viele Ideen für weitere Elektronikeinsätze im Wirkmaschinenbereich.