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Lace & Latex – zwei Verführungsprofis im Verbund betreten die Fashionbühne

Masterstudentin Sara Linke rollt das Thema Spitze neu auf und bringt Inspiration in den Bekleidungsbereich

Spitze rückt wieder in den Fokus der kontemporären Mode. Die zarten Waren sind nicht mehr nur allein dem Reizwäschetrend vorbehalten, sondern werden in vielen Kollektionen zur Gestaltung der Oberbekleidung eingesetzt.

Was aus der unbefangenen und kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema Spitze entstehen kann, zeigt die Masterarbeit von Sara Linke. Die junge Kreative krönte ihr Modedesign-Studium an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau mit der Entwicklung einer Kollektion, die auf einer vollkommen neuen, unkonventionellen Materialpaarung basiert: der Kombination von Latex und Spitze.

Salonfähiges Latex meets traditionelle Spitze eine Verbindung mit Imagegewinn

Latex hat sein Image der Verruchtheit abgelegt und versteckt sich längst nicht mehr in der Underground-Szene. Geleitet von dem Anspruch, innovativ zu arbeiten und neue Entwicklungen zu verfolgen, nahm Sara Linke Latex zur Hand, um Wirkwaren mit unkonventionellen Eigenschaften zu kreieren. „Für meine Abschlussarbeit war die Flächenentwicklung mit Gewirken der wichtigste Punkt“, erklärte die Masterstudentin. Auch die Verbindung von Spitzen bzw. gitterartigen Strukturen und Latex habe für sie von Anfang an im Fokus gestanden, so die angehende Designerin. Die Kombination bot ihr die Möglichkeit, einen Spannungsbogen aus Übereinstimmungen und Kontrasten aufzubauen. „Spitze wird als unschuldig, verspielt interpretiert, Latex erscheint dagegen pikant und fremd. Beide Materialien haben allerdings Gemeinsamkeiten, gelten beispielsweise als aphrodisierend“, begründete Sara Linke ihr Konzept.

Zwei Materialien, vielfältige Kombinationsmöglichkeiten

Während der Arbeiten mit Spitze und Latex zeigte sich, dass die Kombination der beiden Materialien zu einer neuen, aufregenden Ästhetik führt. Die Spitze wird von dem Gummi- oder Naturkautschukprodukt ummantelt oder bedeckt und bekommt, nicht zuletzt durch dessen charakteristischen Glanz, einen neuen, visuell wirksamen Ausdruck. Auch die übrigen Eigenschaften verändern sich je nach Art der Verbindung. Diese lässt sich vielfältig gestalten. Sara Linke probierte in Experimenten zahlreiche Varianten aus und erzeugte dabei laminatähnliche Produkte mit einer hochinteressanten Performance. So können offene gewirkte Maschenwaren in flüssiges Latex gelegt werden. Nach dem Trocknen entstehen glatte Bahnen, die sich hinsichtlich Transparenz, Drapierverhalten und Haptik durch die Schichtdicke beeinflussen lassen. Dünne Gummierungen führen generell zu einem sanften, anschmiegsamen Fall. Der Griff ist weich und unter der Warenoberfläche schimmern die Konturen des darunter liegendem wie durch eine Milchglasscheibe durch. Dicke Lagen erhöhen dagegen die Steifigkeit. Beim Griff dominiert der gummiartige Charakter und das Laminat ist blickdicht. Durch die Beimischung von Farben lassen sich vielfältige Effekte erzielen.

Neben der vollflächigen Verwendung können auch nur die Fäden mit dickflüssigerem Latex ummantelt werden. Durch diese Technik sind die Gewirke fester. Sie behalten ihre offene Struktur, und damit ihre filigrane Ästhetik. Bezüglich Haptik und Drapierverhalten kommen die Eigenschaften der beiden Verbundpartner nahzu gleichwertig zur Geltung.

Ein positiver Effekt bei der Benetzung wie bei der Laminierung der kompletten Ware ist folgender: Die Dehnbarkeit der ursprünglichen Gewirke bleibt, soweit vorhanden, bestehen.

Eine Masterkollektion bringt die Innovation zum Tragen

Als finale Technik entschied sich Sara Linke für ein Vorgehen in zwei Schritten. Zuerst wird das Netz ummantelt, um die Strukturen zu konturieren. Anschließend folgt das Einlegen der entstandenen Bahn in flüssiges Latex. So erhält man ein undurchlässiges Textil, das mit seiner morbiden Anmutung der Oberflächen durchaus den Wünschen von Sara Linke entspricht. Auch dieses zweistufige Vorgehen bietet zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten.

Bis zum Herbst wird Sara Linke eine Bekleidungsserie aus den entwickelten Waren herstellen. „Die Kollektion soll sich im Premiumsektor bewegen und durch eine edle Anmutung erst auf den zweiten Blick Pikantes erkennen lassen“, erklärte die Studentin. Zudem habe sie konventionelle (Bekleidungs-)Stoffe, beispielsweise aus Wolle und Seide, verwendet, um das Thema zu besänftigen und eine kontemporäre Mode zu schaffen – ein vielfältiger Materialmix, der außergewöhnliche Bekleidungsteile erwarten lässt. Die Fachwelt ist schon gespannt.

Gabriela Schellner sieht in dem Latex-Spitzen-Verbund eine Innovation mit großen Potenzialen. Die Leiterin der Abteilung Textile Entwicklung im Hause KARL MAYER ist sich sicher: „Die Laminatware von Sara Linke zeigt einen äußerst unkonventionellen und kreativen Weg auf, Spitze zu inszenieren. Sie wird die Textilhersteller und Konfektionäre inspirieren und birgt die Chance, vollkommen neue Bekleidungslösungen zu entwickeln.“

Gabriela Schellner und ihr Team stellten der Studentin die Spitzenstoffe zur Verfügung und standen ihr bei Fragen beratend zur Seite. Das Latex wurde von dem Hersteller latexmanufactur.de gesponsert. Mehr Infos zu Sara Linke und ihrer Arbeit gibt es unter www.saralinke.com oder

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